Zwischenruf zurück (neben zwei kastrierten Katern)

Grüße an Daniel Baumbach: Brennt so die Luft bei euch, dass es für einen persönlichen Brief durchs Amtsblatt an mich gerettet werden soll? Knapp 3.000 Unterstützer möchten das nächste Mal auch persönlich im Amtsblatt genannt werden.

Der untere Denkmalschutz, der zur Stadtverwaltung gehört, hat zugestimmt, weil nicht widersprochen? Kurze Info: So etwas nennt man geplante Entfristung, weil es keine Zustimmung gibt. Unterer Denkmalschutz darf nämlich nicht konträr dem oberen agieren. Es gibt keine Zustimmung vom Landesamt. Ziemlich klug von der Stadtverwaltung. Ziemlich klug auch, keine geforderten Varianten zur Abstimmung vorzulegen. Eine reicht ja, ge Vielleicht kann man jetzt auch mal die großen Fragen stellen, warum trotz Denkmalschutz Nordbad, Martinskloster und Kraftwerk Gispersleben (Bauhaus) abgerissen wurden. Stasi-Gefängnis wolltet ihr auch platt machen? Alles sehr unschön.

Baut sich hier nen Stadtplaner ein süßes Denkmal ohne Denkmalschutz? Netter Versuch, auch neulich in Pressemitteilungen Bäume und Denkmalschutz gegeneinander auszuspielen. Wird nur schwierig, wenn man selber ständig Bäume platt macht.

Internationale Steinrestauratoren sagen zu der Situation übrigens auch bisschen was anderes. Wer war noch einmal der Gutachter bei der Stadt? Stadtverwaltung… Wo man sich die Welt so dreht, wie man sie braucht. Liebe Grüße an Herrn Birsch! Bin ich verantwortlich für Denkmalschutz in der Stadt? Weil ich jetzt die Missstände NACH Bürgeranfrage, nach Nein von Landesamt und Dekmalbeirat im letzen Jahr breit trete? Ich soll in Bauausschüsse (nicht öffentlich)? Ich soll bei jeder Baustelle ins Bauinformationszentrum oder soll ich Politikern, Studierten und Denkmalschützern vertrauen?

Was den nu? Ich bin auch sehr traurig, dass ich kein Amtsblatt aus Papier in meinem Briefkasten hatte. Ich würde es mir gerne einrahmen.

Im Amtsblatt persönlich angesprochen. Top. Der Kater wird etwas neidisch sein.


Hier finden Sie den Link zur Petition zum Erhalt des historischen Pflasters in der Allerheiligenstraße in Erfurt.


Dieser Leserbeitrag ist eine Reaktion auf eine Veröffentlichung im Erfurter Amtsblatt. Der Autor ist der Pressesprecher der Stadtverwaltung.


Zwischenruf (aus dem Rathaus)

Basalt oder Granit – das ist hier die (Streit-)Frage! Danke, liebe Franziska B., dass Sie und Ihre Mitstreiter die historische „Via Regia“ bewahren wollen! Der „Königsweg“, wie die mittelalterliche Handelsstraße auch genannt wird, ist ein wichtiger Bestandteil unserer Altstadt. Insofern ist es mehr als verständlich, dass Sie sich so vehement für das alte Pflaster in der Allerheiligenstraße einsetzen!

Aber warum erfolgt Ihr Aufschrei bei Facebook erst so spät? Wo waren Sie denn, als vor zwei Jahren die Pläne für die grundhafte Sanierung im Bauinformationsbüro auslagen? Wo waren Sie bei den ersten beiden Anwohnerversammlungen, als umfassend über die Pläne informiert wurde? Sie waren – leider nicht da. Auch keine Ihrer Mitstreiterinnen. Erst kurz vor Ultimo, als die Baumaschinen praktisch schon warm liefen, kamen Sie in die Puschen. Nun kämpfen Sie sehr lautstark für das alte Basaltpflaster und gegen das Moderne aus Granit. Und unsere städtischen Fachleute haben bereits zwei Jahre lang geplant, vorbereitet, kalkuliert und bestellt. Jetzt sind praktisch alle Messen gesungen.

Aus Sicht der Stadt spricht vieles gegen den Basalt. Die Argumente kennen Sie ja. Mittlerweile habe ich auch das 5. Argument wieder parat: den besseren Lärmschutz, den sich viele Anwohner der Allerheiligenstraße so sehr wünschen. Dass die meisten Fußgänger, Rad- und Rollifahrer dem schlüpfrigen Buckelpflaster eher keine Träne hinterher weinen, ich erwähne es noch einmal der Form halber. Auch dass unsere Stadtplaner ein einheitliches, barrierefreies Granit-Gesamtbild von der Michaelis- über die Allerheiligen- bis hin zur Marktstraße mit abgesenkten Bordsteinen wollen, ist Ihnen schnuppe. Scheinbare historische Originalität ist Ihnen wichtiger.

Franziska B., Sie werfen der Stadtverwaltung vor, sich über den Denkmalschutz hinwegzusetzen. Ja, es gab Bedenken beim Denkmalbeirat gegen das Granitpflaster. Allerdings hat die Stadt dann beim Landesamt für Denkmalschutz einen „Antrag auf denkmalschutzrechtliche Erlaubnis“ gestellt. Und diesem wurde nicht widersprochen. Heißt: Der Denkmalschutz hat letztendlich zugestimmt. Übrigens, Ihr Vorschlag, das alte Basaltpflaster schön gerade wieder einzubauen, funktioniert so nicht. 80 Prozent der Steine sind in den 120 Jahren auf der Straße so abgelatscht worden, dass sie neu gekauft werden müssten. Zu hohe Kosten, zumal der Granit ja schon gekauft ist. Ihr Protest kommt einfach zu spät. Also, meine Bitte für das nächste Mal, bringen Sie sich frühzeitiger ein. Vielleicht ist dann ja noch was zu machen. Aber natürlich müssen auch dann alle Für und Wider abgewogen werden. Und bei Basalt versus Granit steht es im Streit der Argumente nach meiner Zählung mindestens 1:6.

Daniel Baumbach
Pressesprecher


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