Thüringer Lehrerverband (tlv) kritisiert erhebliche Mängel anlässlich des „Tages des pädagogischen Begleitpersonals“

Erfurt. Anlässlich des „Tages des pädagogischen Begleitpersonals“, der in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal begangen wird, weist der tlv thüringer lehrerverband erneut eindringlich darauf hin, dass „das Koalitionsversprechen, in den Schulen multiprofessionelle Teams einzurichten, bis heute auch nicht ansatzweise zufriedenstellend umgesetzt“ worden sei.

„Selbst in Schwellen- und Entwicklungsländern wie Brasilien, Simbabwe und den Philippinen gibt es an den Schulen multiprofessionelle Teams in einer Größenordnung, die empirische Untersuchungen ermöglicht“, konstatiert der tlv-Landesvorsitzende Rolf Busch. „Das kann man von Thüringen nicht behaupten. Was die Ausstattung unser Schulen mit pädagogischem Begleitpersonal angeht, sind wir noch nicht einmal auf dem Stand eines Entwicklungslandes.“

Die „unsichtbare Armee“ existiert hierzulande nicht

Der „Tag des pädagogischen Begleitpersonals“ (Education Support Personnel Day) wurde 2018 von der weltweit aktiven Gewerkschaftsdachorganisation Education International ins Leben gerufen, der auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) angehört, dessen Landesverband der tlv ist. Er wird am 16. Mai begangen und rückt die Bedürfnisse all derjenigen Berufsgruppen in den Fokus, die unterstützend an den Schulen arbeiten: Sonderpädagogische Fachkräfte, Sozialarbeiter, Schulpsychologen, Schulgesundheitsfachkräfte, IT-Experten oder Schulbibliothekare. Education International bezeichnet dieses Begleitpersonal als die „unsichtbare Armee, die hinter dem Erfolg eines jeden Schülers steht“.

Für den tlv sei der Tag ein Anlass, die Landesregierung erneut an ihr Versprechen zu erinnern, so Busch. „Wir fordern seit Jahren, dass die Lehrer flächendeckend in ein funktionierendes Netzwerk eingebunden werden, damit jedes einzelne Kind optimal betreut werden kann. Aber leider sind die multiprofessionellen Experten an den Schulen bei uns bis heute nicht nur unsichtbar – sie existieren überhaupt nicht!“

Auch die vor wenigen Tagen angekündigten zusätzlichen 180 Schulsozialarbeiter, die im neuen Landeshaushaltsentwurf vorgesehen seien, würden kaum für eine Verbesserung sorgen können, ist sich der tlv-Landesvorsitzende sicher. „Denn selbst wenn ihre Einstellung beschlossen wird, hat noch längst nicht jede der 900 Schulen in Thüringen einen eigenen Sozialarbeiter.“ Die Versorgung mit Sonderpädagogischen Fachkräften, Psychologen, Schulgesundheitsfachkräften und Dolmetschern sowie die vom tlv seit Jahren geforderte Vernetzung mit verschiedenen Behörden sei in noch weiterer Ferne. „Tatsache ist, dass die Lehrer nach wie vor sämtliche zusätzliche Belastungen, die durch Inklusion und Integration naturgemäß entstehen, allein schultern müssen.“ Eine Anfang April versandte Anfrage an die Regierungsfraktionen zum Thema multiprofessionelle Teams sei bis heute unbeantwortet geblieben, so Busch.