Weimar. Stadttauben (Columba livia forma urbana) bevölkern als Nachkommen von Haus­- und Brieftauben, als wild lebende, domestizierte Haustiere, denen der Mensch einst einen hohen Brutbetrieb angezüchtet hat, in unter­schiedlich großer Zahl die deutschen Städte. Als sogenannte Felsenbrüter nutzen sie vorrangig hohe Gebäude als Ruhe­ und Nist­plätze. Eine Straßentaube wird im Schnitt nur ca. 2,5 Jahre alt, wohingegen eine gepflegte Brieftaube bis zu 20 Jahre alt werden kann.Für einen Teil der Bevölkerung ist die Präsenz der Taube im Stadtbild ein willkommenes Stück Natur in der oft öden Betonstruktur der Stadt, für andere dagegen aufgrund von z. B. Verunreinigungen durch Taubenkot oder lautem Gurren eine Belästigung.

Für die Kom­munen besteht das Problem, mit den Tauben tierschutzgerecht umzugehen und gleichzeitig die Verschmutzung und Belästigung so weit wie möglich zu reduzieren. Vergrämungsmaß­nahmen als Einzelmaßnahmen tragen nicht zur Lösung des Taubenproblems bei. Sie sind meist nicht tierschutzkonform, teuer und ver­lagern das Problem lediglich auf das nächste Gebäude. Vergrämungsvorrichtungen sind häufig nicht fachgerecht montiert und werden oft nicht kontrolliert oder gewartet. Tauben und ihre Jungen verletzen sich oder sterben regelmäßig an bzw. in unsachgemäß installier­ten oder tierschutzwidrigen Abwehrsystemen.

Nach § 13 Abs. 1 des Tierschutzgesetztes ist es verboten, zum Fangen, Fernhalten oder Verscheuchen von Wirbeltieren Vorrichtungen oder Stoffe anzuwenden, wenn damit die Gefahr vermeidbarer Schmerzen, Leiden oder Schäden für Wirbeltiere verbunden ist. Das Konzept »Stadttaubenmanagement« basiert auf dem sogenannten »Augsburger Modell«, das einer Reihe von Städten in Deutschland seit mehr als zwei Jahrzehnten als Grundlage und Orientierung für Maßnah­men im Rahmen des Taubenmanagements dient.

Das Geburtenkontrollkonzept wurde von der dem Bundesverband »Menschen für Tierrechte« angeschlossenen Bundesarbeits­gruppe »Stadttauben« entwickelt. Es wurde als »Augsburger Modell« oder »Aachener Modell« bekannt, weil dies die ersten Städte waren, die das Konzept umsetzten.Ein erfolgreiches Stadttaubenmanagement setzt sich aus einer Vielzahl von Maßnahmen zusammen. Es sollte immer als Gesamtkon­zept verstanden und angewandt werden. Auch wenn Gründe vorliegen, dass nicht alle Maßnahmen zugleich umsetzbar sind, sollte die zeitnahe Umsetzung des Gesamtkon­zeptes das Ziel sein. Bei einer Beschränkung auf nur einige wenige Teil­ oder Einzelmaß­nahmen ist damit zu rechnen, dass auch nur begrenzte Erfolge erzielt werden können.

Ziele des Gesamtkonzeptes sind die Reduktion der Verunreinigungen durch Stadttauben, die Verringerung der Belästigung der Bevölkerung, die Bestandsregulierung der Taubenpopula­tion, die Versorgung und Betreuung der Stadt­tauben sowie die Aufklärung der Bevölkerung. Mithilfe der Weimarer wird benötigtDa die Vergrämungsmaßnahmen und das Futte rverbot der Stadt nicht zu einer Lösung des Problems geführt haben, möchte die Stadt Weimar auch, wie es bereits in Thürin­gen erfolgreich in z. B. Jena, Gera und Mühl­berg umgesetzt wird, ein Taubenmanagement nach dem Augsburger Modell einführen. Das bedeutet, dass an den Brennpunkten mit großen Taubenschwärmen Taubenhäuser ins­talliert werden.

Die betreuten Taubenschläge erfüllen mehrere Aufgaben. Durch die Versorgung mit Futter und Wasser werden die Tiere an die Schläge gebunden und halten sich auch den Großteil des Tages dort auf. Sie setzen ihren Kot hauptsächlich im Schlag ab, der dort regelmäßig entsorgt wird. Die Tiere sind nicht gezwungen, sich lange außerhalb des Schlages aufzuhalten, um z. B. in Fußgänger­zonen nach Nahrung zu suchen. Dies mindert die Belästigung der Bevölkerung und die Verschmutzungen in der Stadt. Die Eier in den Schlägen werden durch Attrappen getauscht, um die Population nachhaltig zu regulieren. Eine solche Versorgung entspricht dem im Grundgesetz verankerten Staatsziel Tierschutz.

Weimar ist hierbei in der glücklichen Lage, durch den Verein Stadttaubenhilfe Weimar e. V. unterstützt zu werden. Zusätzlich wird aber dennoch die Mithilfe der Weimarerinnen und Weimarer benötigt. Wo genau gibt es Probleme mit Tauben? Wo könnte man einen betreuten Taubenschlag bauen? Wer würde mithelfen beim Bau, beim Beschaffen von Material und Futter? Wer wäre bereit, einen solchen Tauben­schlag zu betreuen? Wer keine Zeit hat, aktiv mitzuwirken, ist vielleicht bereit, dieses Projekt durch eine Spende zu unterstützen.

Spendenkonto:
IBAN: DE36 8205 1000 0301 0020 29BIC: HELADEF1WEMSparkasse Mittelthüringen
Verwendungszweck: Spenden für Taubenhäuser

Vielleicht haben Sie noch weitere Ideen, wie man das Miteinander zwischen Mensch und Taube entspannen könnte? Wir rufen alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Weimar zu regem Engagement auf und freuen uns auf Ihre Mitwirkung. Für Fragen steht Ihnen das Veterinär­ und Lebensmittelüberwachungs­amt, Frau Petra Schwarz, Tel. 03643/762­851, und der Stadttaubenhilfe Verein e. V., Frau Dr. Klein, Tel. 0178/3097213, gern zur Verfügung.