Der Jenaer Zoologe Ernst Haeckel (1834-1919) zählt zu den bekanntesten, zugleich aber auch umstrittensten Naturforschern des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Als einer der frühesten Anhänger und streitbarsten Verfechter der Darwinschen Evolutionstheorie – neben „Darwins Bulldogge“ Thomas Henry Huxley“ – stellt er eine Zentralfigur in der Frühgeschichte des Darwinismus dar. Doch sein Name steht nicht nur als Symbol für die Auseinandersetzungen um den Entwicklungsgedanken und dessen Popularisierung in dieser Zeit, sondern auch für ein aktives Eintreten für den von ihm formulierten und postulierten Monismus. Die enge und stete Verknüpfung von Wissenschaft, Weltanschauung, Religion und Künstlertum gaben und geben seinem Wirken ebenso ein charakteristisches Gepräge, boten zugleich aber auch Möglichkeiten für kontroverse Interpretationen, Angriffe und politisch-ideologische Vereinnahmungen unterschiedlichster Art. Seine materialistischen, lamarckistischen, rassenhygienischen und monistischen Auffassungen führten im 19. und besonders 20. Jahrhundert bei einer Reihe von Politikern und Wissenschaftlern in verschiedenen gesellschaftlichen Systemen dazu, diese in ihrem Sinne zu interpretieren. Würdigungen wie „Deutscher Darwin“, „Luther gleich“ stehen neben Diffamierungen als „Agent des Satans“, „Pestilenz von Jena“, „Affenprofessor“ oder „Fälscher“. Haeckel zählt neben Fritz Müller zu den Ersten, die das „Biogenetische Grundgesetz“ formulierten, noch heute in der biologischen Terminologie verwendete Begriffe wie Ontogenie, Phylogenie, Ökologie, Chorologie und Stamm gehen auf ihn zurück.

Der Vortrag des Biologiehistorikers Uwe Hoßfeld wird dieses Themenfeld – anlässlich des 100. Todestages von Haeckel – vorwiegend thematisieren.

Donnerstag, 11. April 2019, 19 Uhr, Stadtmuseum Jena
Ernst Haeckel – Der Gegenpapst aus Jena: zwischen Wissenschaft und Religion
Vortrag von Uwe Hoßfeld