Jena. Im Hinblick auf die aktuelle Diskussion zu den Plänen für ein Tagungsareal hinter dem Planetarium (Veranstaltungsräumlichkeiten mit Unterbringung) teilen wir gerne folgendes mit:

Die Ernst-Abbe-Stiftung als Eigentümerin und Betreiberin des Planetariums sieht sich in der Verantwortung für den Erhalt und die Entwicklung dieser wichtigen Institution der Stadt, einem bedeutsamen Denkmal der Technik- und Baugeschichte in Jena, dem im Sinne von Ernst Abbe eine zentrale Rolle in der Wissenschaftsvermittlung und Wissenschaftserziehung zukommt.

Aus dieser Verantwortung heraus strebt die Ernst-Abbe-Stiftung auch weiterhin an, den Kulturraum Botanischer Garten und Planetarium als Einhei inhaltlich nachhaltig und seiner Bedeutung entsprechend weiterzuentwickeln. Ein vorrangiges Ziel ist dabei, die räumlichen Bedingungen für Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftspädagogik deutlich zu verbessern und gleichzeitig die bauliche Fassung des Einzeldenkmals Planetarium gegenüber dem vorgefundenen Zustand aufzuwerten.

Konkret sollen dabei adäquate Räumlichkeiten für Bildungsangebote an junge Menschen (z.B. “grünes Klassenzimmer”), Fortbildungsangebote, Seminare und Fachveranstaltungen geschaffen werden. Dazu gehören auch in dem für diese Anforderungen notwendigen Rahmen geeignete Unterbringungsmöglichkeiten.

Besondere Aktualität erhalten diese Pläne durch die Gründung des Deutschen Optischen Museums, mit dem das Planetarium eine gemeinsame Präsentation des für Jena so bedeutsamen Themas Licht, Optik und Visualisierung schaffen will. Erklärtes Ziel sowohl der Stiftung D.O.M. als auch der Ernst-Abbe Stiftung ist, dass beide Institutionen sich in ihren Aufgaben und Möglichkeiten für die Wissenschaftskommunikation und -pädagogik ergänzen und verstärken. Dazu gehört die Verbesserung der baulichen Bedingungen am D.O.M. wie am Planetarium, damit beide dieser gemeinsamen, weit über Jena hinaus sichtbaren Aufgabe gerecht werden können.

Die Ernst-Abbe-Stiftung sieht eine große Chance darin, dass mit ihrer Unterstützung für Jena perspektivisch zwei für die Stadtentwicklung bedeutsame Wirkräume in zentralen Lagen der Stadt als überregionales und nationales Angebot entstehen können: zum einen ein Kultur – und Bildungsquartier mit Volkshaus und dem Deutschen Optischen Museum komplettiert und funktionell aufgewertet durch den gemeinsam angedachten Verbindungsbau, und ein zweites, gleichfalls durch Wissenschaft und Wissenschaftsvermittlung geprägtes Areal im Kontext Botanischer Garten und Planetarium. Damit kann Jena einen deutlichen Fortschritt in der Wahrnehmung für die Wissenschaft, die Erklärung und Vermittlung von Wissenschaft erreichen, verbunden mit vielen weiteren Bildungsimpulsen. Nicht zuletzt sollten diese Entwicklungen auch die touristische Attraktivität der Stadt weiter verbessern.

Die Ernst-Abbe-Stiftung ist sich darüber im Klaren, dass die Anforderungen für Baumaßnahmen im Umfeld des Planetariums außerordentlich anspruchsvoll sind. Dies betrifft die Aspekte des Denkmalschutzes am Einzeldenkmal Planetarium ebenso wie die gebotene Einordnung jeder Bebauung in das Ensemble des Botanischen Gartens und des umliegenden Quartiers.

Die Ernst-Abbe-Stiftung hat bei anderen Gebäuden und Maßnahmen, zuletzt bei der denkmalgerechten Sanierung des Volkshauses, bewiesen, dass sie mit der notwendigen Sensibilität und Sachkunde an solche Aufgaben herangeht. Aufgrund der Bedeutung und Komplexität des Standortes ist es nicht überraschend, dass der zeitliche Rahmen für das Vorhaben deutlich über dem eines üblichen Planungsverfahrens liegen muss. Wichtiges Anliegen der Stiftung bei all ihren Projekten ist eine frühzeitige und offene Einbindung aller Akteure in den Planungs- und Umsetzungsprozess. Deshalb hat es im Zusammenhang mit der Entwicklung des Ensembles Planetarium einen längeren Diskussions- und Arbeitsprozess unter Einbindung insbesondere der Universität und der Stadt Jena gegeben. In dessen Verlauf sind wichtige technische, fachliche und funktionelle Voraussetzungen untersucht und in die fortlaufend aktualisierte Planung der Ernst- Abbe-Stiftung eingearbeitet worden.

Eine formelle Einbindung der am Verfahren Beteiligten, insbesondere auch der Denkmalbehörde, ist auf der Grundlage der gemeinsam diskutierten Voraussetzungen und Planungen und im Rahmen des Bebauungsplan-Verfahrens als nächste Stufe vorgesehen. Das Landesdenkmalamt hat in einem Schreiben die besonderen Anforderungen im Umfeld des Planetariums deutlich gemacht und dabei darauf hingewiesen, dass zu einer verbindlichen Bewertung eine formale Vorlage des Vorhabens notwendig ist.

Bisher lag eine verabschiedungsfähige Planung nicht vor, mangels Antrag konnte es daher auch keine formelle Befassung und Stellungnahme des Denkmalschutzes geben.

Die Ernst-Abbe-Stiftung ist vor diesem Hintergrund überrascht und bedauert es sehr, dass gerade jetzt, also vor der Befassung mit einer konkreten Planung, dieser Prozess abgebrochen werden soll, sodass weder die unmittelbar betroffenen Akteure noch die Jenaer Bürger Gelegenheit haben, über diese Planung, ihre Begründung und die bisher erarbeiteten gemeinsamen Festlegungen und Abklärungen zu diskutieren und diese zu bewerten.

Aus unserer Sicht wäre es schade, wenn man den Impuls gerade jetzt ohne unmittelbar erkennbaren Anlass ins Leere laufen lassen würde. Die Ernst-Abbe-Stiftung ist hierzu im konstruktiven Dialog mit Beteiligten im Rahmen vereinbarten Arbeitskreise. Diese Planungen konkret vorzulegen und damit die Voraussetzung für qualifizierte Befassung und Stellungnahmen zu schaffen wäre jetzt unmittelbare Aufgabe der Stiftung, die sie zu leisten gewillt und fähig ist.

Der Ernst-Abbe-Stiftung ist sehr daran gelegen, den Entwicklungsprozess transparent und konsensual weiterzuführen. Sie hält aus den dargelegten Gründen und wegen der Bedeutung des Projekts für den Wissenschafts- und Kultur-Standort Jena fest und lädt alle Beteiligten ein, an diesem Prozess weiter mitzuwirken.