Jena. “Auf Deufel komm raus versucht die Ernst-Abbe-Stiftung zwischen Planetarium und Botanischen Garten ein Hotel zu zimmern”, kritisiert Stadträtin Heidrun Jänchen (Piraten) mit Verweis auf den Vorstandsvorsitzenden Thomas Deufel. Sie selbst stimmte bereits 2014 gegen den Aufstellungsbeschluss für das Prestigeprojekt. Zu respektlos fand sie den Neubau gegenüber dem ältesten Planetarium der Welt und dem zweitältesten Botanischen Garten Deutschlands.

Hinzu kamen diverse Ungereimtheiten bei der Planung. Der Ortsteilbürgermeister von Jena-Zentrum, Kristian Philler, hatte dem Stadtentwicklungsausschuss berichtet, der Ortsteilrat habe dem Vorhaben zugestimmt – der aber hatte aus Mangel an ausreichenden Informationen gar nichts beschlossen. Später hieß es, der Fachdienst Umweltschutz habe zugestimmt. Dieser hatte jedoch nur festgestellt, dass das Vorhaben grundsätzlich zulässig sei. In dieser frühen Phase hätte er allenfalls eine Tankstelle, eine Müllverbrennungsanlage oder einen Steinbruch ablehnen können, da die Umweltprüfung erst im Planungsverfahren erfolgt. Diese Information hatte Jänchen nur erhalten, weil sie die Stellungnahme im Wortlaut sehen wollte. Besonders die Tiefgarage und die dafür nötige Absenkung des Grundwasserspiegels könnten für den Botanischen Garten fatale Folgen haben.

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Im Oktober 2017 gab es nach Presseberichten einen Sachstandsbericht im Ausschuss, wo Dezernent Dennis Peisker und Investorenvertreter Jörg Hühn einhellig erklärten, es gäbe eine Arbeitsgruppe, die alle offenen Fragen zum Botanischen Garten und zum Denkmalschutz kläre. Als Jänchen sich über die Zurückhaltung von Informationen beschwerte, ging es ihr nur um die Stellungnahme des NABU. Der damalige Dezernent Dennis Peisker widersprach ihrem Vorwurf. Zu diesem Zeitpunkt lag schon drei Monate ein Schreiben des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie auf seinem Tisch, in dem das Vorhaben “nicht befürwortungsfähig” genannt wurde. Die zuständigen Stadträte bekamen das erst jetzt zu sehen. “Peiskers Nachfolger Christian Gerlitz hat die Leiche aus dem Keller des Dezernates vorgeholt”, sagt Jänchen. “Im Ausschuss wurde uns damals dreist erklärt, es gäbe keine neuen Fakten.”

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Jetzt haben die Ausschussmitglieder ein Schreiben der Ernst-Abbe-Stiftung bekommen. Es gäbe eine Arbeitsgruppe, in der alle offenen Fragen geklärt würden, und man habe einschließlich der Universität einen Bebauungsvorschlag als Planungsgrundlage verabschiedet, heißt es darin. “An der Universität scheint keiner zu wissen, dass man etwas verabschiedet hat”, berichtet Jänchen von ihrem Versuch, etwas über diesen ominösen Entwurf zu erfahren.

Die Stiftung spiele mit dem Stadtrat Blindekuh, findet die Piratin und kritisiert den Mangel an nachvollziehbaren Fakten. In ihrer Ablehnung des Vorhabens fühlt sie sich von der Denkmalschutzbehörde bestätigt.