Jena. Etwa 500 Menschen streikten am Freitag, den 8. März, u.a. gegen Gewalt an Frauen*, für die Anerkennung von unbezahlter Sorgearbeit, für gleichen Lohn für gleiche Arbeit, für ein Arbeitsrecht für alle Menschen unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus, für eine geschlechtsunabhängige Verteilung von Tätigkeiten sowie für ein Recht auf körperliche Selbstbestimmung.

Arbeiten, die oft von Frauen* verrichtet werden, werden geringgeschätzt. Noch immer verdienen Frauen* in Deutschland im Schnitt 21% weniger als Männer. Zu Hause verbringen sie* laut dem zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung im Schnitt pro Tag 87 Minuten mehr Zeit mit Erziehungs-, Haushalts- und Pflegearbeit als Männer. Mit dem Streik soll deutlich gemacht werden, welche Arbeiten täglich oft unsichtbar und teilweise unbezahlt von Frauen* übernommen werden. Damit schließen sie* sich einer bundesweiten und internationalen Bewegung von streikenden Frauen und Queers* an – von Polen bis Argentinien, von Spanien über Nigeria bis Australien.

Der Frauen*streik in Jena wird von dem Frauen*streik-Bündnis organisiert. Das
Frauen*streik-Bündnis vereint Studierende, Angestellte, Selbstständige und Arbeitslose.
Beteiligt haben sich außerdem das Frauenzentrum Towanda, Hebammen des Geburtshauses, Eltern der Elterninitiative „Eltern brauchen das Geburtshaus“, Mitarbeiter*innen des Theaterhauses, Personen des Iberoamérica-Vereins, das Bündnis gegen Pflegenotstand, Pflegekräfte des Uniklinikums, die Ortsgruppe von ver.di und der Kreisverband des DGB und zahlreiche linke Gruppen.

Die kämpferische Mittagspause am Faulloch bot den über 200 Anwesenden die Möglichkeit, sich während eines gemeinsamen Essens an zahlreichen Informationsständen über den Streik zu informieren. Das Frauen*Streik-Forum im Haus auf der Mauer ermöglichte einen Raum des Austauschs über eigene Forderungen und Erfahrungen. Der Tagesabschluss bot eine gemeinsame Demonstration mit circa 500 Personen durch die Jenaer Innenstadt mit
zahlreichen Redebeiträgen und einem Theaterstück vor dem Theaterhaus. Demonstriert wurde auch für den Erhalt des Geburtshauses und für ein Ende des Pflegenotstands. Ziel war es, sich auszutauschen und zu vernetzen. Der Streik am 8. März 2019 ist erst der Anfang. In den nächsten Jahren soll eine Bewegung hin zu einem politischen Streik entstehen.

In Deutschland haben sich dafür bereits 39 lokale Frauen*- und feministische Streik- Bündnisse gegründet – das Vorbild ist Spanien. Letztes Jahr gingen dort 5 Millionen Menschen beim feministischen Streik auf die Straße, jede fünfte Frau streikte. Auch wir nehmen das Motto des spanischen Streiks ernst: „Wenn wir streiken, steht die Welt still!“

Weitere Informationen sind zu finden unter: femstreikenjena.noblogs.org und frauenstreik.org.

Quelle: Frauen*Streik Bündnis Jena.


* Das Sternchen soll verdeutlichen, dass es sich bei Geschlecht um ein Spektrum vielfältigster
Geschlechtsidentitäten, Körperlichkeiten und Ausrucksweisen handelt. Es geht dabei nicht um das biologische Geschlecht, sondern um die zugeschriebene gesellschaftliche Rolle.