Erfurt. Nach dem Ausfall ihres neuen Lieferanten Deutsche Energie GmbH hat die Stadt Erfurt ihre eigenen Stadtwerke mit der Energieversorgung der städtischen Einrichtungen beauftragt. Man habe rückwirkend zum 1. Januar einen bis Ende 2019 befristeten Vertrag abgeschlossen, sagte Erfurts Finanzdezernent Steffen Linnert MDR THÜRINGEN. Die Mehrkosten durch den neuen Vertrag bezifferte er mit rund 800.000 Euro. Die genaue Höhe sei aber unter anderem davon abhängig, „wie der Winter wird“. Parallel werde die Belieferung der Stadt mit Strom und Gas für den Zeitraum ab 2020 neu ausgeschrieben.

Erfurt hatte im vergangenen Jahr die Energielieferung für die Jahre 2019 und 2020 neu ausgeschrieben. Den Zuschlag hatte der Stromhändler DEG Deutsche Energie GmbH aus Erlenbach bei Heilbronn erhalten, der unter anderem den Deutschen Bundestag belieferte. Das Unternehmen hatte nach Angaben der Stadtverwaltung das günstigste Angebot abgegeben und sich damit gegen den bisherigen Lieferanten, die Stadtwerke Erfurt, durchgesetzt. Kurz vor Weihnachten kündigte die DEG aber an, die Belieferung ihrer Kunden einzustellen und Insolvenz anzumelden. Grund war nach MDR-Recherchen ein Streit mit dem Übertragungsnetzbetreiber Tennet über ausstehende Zahlungen. Deshalb hatte Tennet seinen Vertrag mit der Deutsche Energie GmbH gekündigt.

Am 1. Januar hatten die Erfurter Stadtwerke im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Ersatzversorgung die Belieferung der städtischen Einrichtungen, darunter Verwaltungsgebäude, Schulen und Zoo, übernommen. Allerdings ist die gesetzliche Pflicht zur Ersatzversorgung auf sechs Wochen begrenzt. Deshalb hatten die Stadtwerke einen befristeten Vertrag angeboten, um der Stadt Zeit für eine neue Ausschreibung zu geben. Die von Linnert genannten Mehrkosten ergeben sich daraus, dass die Stadtwerke nach eigenen Angaben nun Strom und Gas für die Stadt kurzfristig an der Strombörse in Leipzig einkaufen müssen. Kurzfristige Käufe sind in der Regel teurer als langfristig vereinbarte Lieferungen.

Die Stadtwerke Erfurt hatten bis Ende 2018 jährlich etwa 34 Gigawattstunden (GWh) Strom und 27 GWh Gas an die Stadt geliefert. Dafür zahlte die Stadt rund acht Millionen Euro pro Jahr.