Silvesterfeuerwerk: Große Belastung für Luft und Umwelt

Radolfzell. Für das Silvesterfeuerwerk geben wir Deutschen jedes Jahr Unmengen an Geld aus. Allein 2017 haben wir für 137 Millionen Euro Böller und Raketen gekauft. Doch der Preis, den wir tatsächlich zahlen, ist weitaus höher. Denn was in der letzten Dezembernacht in Rot und Gold über unseren Köpfen glitzert, setzt tonnenweise Feinstaub frei – und der ist für unsere Lungen eine enorme Belastung.

Wenn es draußen zischt und knallt, wird klar: es liegt etwas in der Luft. Unzählige Feinstaubpartikel schwirren herum. Sie sind die Hinterlassenschaften von Silvesterraketen und Co. So schön Feuerwerke auch sind – zumindest in Orten mit erhöhter Luftbelastung haben sie nichts zu suchen, denn in vielen Innenstadtbereichen tragen sie zu einer teilweise extremen Zusatzbelastung bei. Sie erzeugen nicht nur enorme Mengen an Müll, führen zu vielen tausend Feuerwehreinsätzen, sondern erzeugen auch ca. 5.000 Tonnen Feinstaub. Je nach Wetterlage ist die Feinstaubkonzentration über viele Stunden hinweg so hoch wie sonst im ganzen Jahr nicht.

Feinstaub gehört zu den Luftschadstoffen, deren negativer Effekt auf die menschliche Gesundheit gut dokumentiert ist. Besonders betroffen sind Menschen mit gesundheitlichen Vorbelastungen wie Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen, sowie Schwangere und Kinder.

Feuerwerke raus aus der Innenstadt

Um den Gesundheitsschutz sicherzustellen, fordert die Deutsche Umwelthilfe einen Stopp von Feuerwerken in den mit Luftschadstoffen hoch belasteten Innenstädten. „Nicht zuletzt aufgrund des Dieselskandals sind Menschen in Deutschland zunehmend besorgt, wenn es um das Thema saubere Luft geht. Die Kommunen sind hier gefordert zu handeln. Wir möchten eine Verschiebung der Feuerwerksaktivitäten raus aus der Innenstadt. Entweder auf Flächen am Stadtrand, wo die Menschen ihre Feuerwerkskörper abfeuern können oder noch besser ein professionelles Feuerwerk außerhalb sensibler Zonen, an dem sich alle erfreuen können und welches kaum Feinstaub erzeugt“, sagt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Gleichzeitig muss es klare Verbote für Silvesterböller und mit Schwarzpulver getriebene Raketen geben, die für die extremen Feinstaubwerte aber auch vielen Brände und Verletzungen verantwortlich sind. Ein öffentliches Feuerwerk oder eine professionelle Pyro-Show sind nicht nur sicherer. Diese belasten die Umwelt auch weniger, da hier meist andere Feuerwerksbatterien zum Einsatz kommen. Ein weiterer Vorteil: Am Ende liegen weniger Dreck und Verpackungsmüll von abgefeuerten Knallkörpern in der Landschaft herum.

Erste Städte machen es vor

Erste Städte in Deutschland, darunter Goslar, Bremen, Bielefeld, Straubing und Ravensburg, haben weitgehend unbemerkt entsprechende Begrenzungen und Verbote für die Innenstadt ausgesprochen. Konstanz führte nach einem verheerenden Brand in der Altstadt ein generelles Feuerwerkverbot für die Altstadt mit ihren vielen, Jahrhunderte alten Fachwerkhäusern ein. Andernorts gibt es Auflagen aus Naturschutzgründen oder um Schäden an Personen zu verhindern. Jüngst hat die Stadt Hannover bekannt gegeben, dass es dieses Jahr in bestimmten Sperrzonen kein Feuerwerk in der Stadt geben wird.

Auch außerhalb Deutschlands wird privates Feuerwerk in der Silvesternacht zusehend kritisch gesehen, so ist es unter anderem in Paris verboten, Feuerwerkskörper oder Böller zu verkaufen und abzufeuern. In Dänemark und Slowenien sind Verkauf, Besitz und Verwendung von Knallkörpern generell verboten.

Ganzjähriges Problem

Luftverschmutzung ist nicht nur in der Neujahrsnacht ein Problem, sondern ganzjährig. Besonders Dieselmotoren in Fahrzeugen, Baumaschinen aber auch Kaminöfen tragen maßgeblich zur Belastung der Luft mit Feinstaub bei. Das gilt auch für Wohnräume, denn schlechte Luft dringt auch in Häuser. Im Rahmen ihrer beiden von der EU geförderten Projekte für die „Saubere Luft in unseren Städten“ ‚Right to Clean Air‘ und ‚Clean Heat‘ setzt sich die DUH dafür ein, dass die Stickoxid-Belastung durch Dieselmotoren und die Feinstaubbelastung durch Holzfeuerung sinken.

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