Am 28. November wurde auf dem Weimarer Goetheplatz ein temporäres Denkmal enthüllt. Die Aktion, die vom Institut für temporäre Denkmäler ins Leben gerufen wurde, fand anlässlich der 209. Innenministerkonferenz statt. Die etwa 100 Anwesenden gedachten all jener Menschen, die an den EU-Außengrenzen gestorben sind, jener, die aus Deutschland abgeschoben wurden und jener, die sich aus Angst vor Repressionen und Abschiebung verstecken müssen. Zudem wurde an solidarische Initiativen erinnert und eine solche Politik gefordert.

Auf der Kundgebung, die am Sockel des Carl-Alexander-Denkmals stattfand, wurde eine Rede auf Deutsch, Englisch und Arabisch gehalten. Die Enthüllung des temporären Denkmals war eine eindrückliche Aktion: Eine 5 Meter lange Schärpe wurde entrollt, auf der in großen weißen Lettern „Hier fehlen Grenztote, Abgeschobene, Illegalisierte, solidarische Politiken“ stand. Es wurden Kerzen verteilt und die Teilnehmenden hielten während einer Gedenkminute inne. Zum Abschluss wurde dazu aufgerufen, Forderungen an die Innenministerkonferenz auf dem Banner niederzuschreiben. Insgesamt wurden 30 Forderungen gesammelt, die am heutigen Donnerstag ihren Weg nach Magdeburg, den Austragungsort der 209. Innenministerkonferenz, finden werden.

Temporäre Denkmäler sind eine Möglichkeit, Erinnerungen wachzuhalten und zum Gedenken zusammenzukommen. Sie kreieren jedoch auch Situationen des Austauschs und der Solidarisierung, in denen in die Zukunft geblickt und gemeinsam nach Lösungen gesucht werden kann. Aus diesem Grund hat sich das Institut für temporäre Denkmäler 2018 in Weimar gegründet.

Am gestrigen Tag startete die 209. Innenministerkonferenz in Magdeburg. Die 16 Innenminister der Länder und der Bundesinnenminister beraten darüber, wie im Namen der Sicherheit Kontrollen umfassender umgesetzt werden können. Das Institut für temporäre Denkmäler mahnte in seiner Rede: „Auf dieser Innenministerkonferenz werden Grenzen geschaffen. Asyl- und Aufenthaltsgesetze sollen verschärft werden, Integration soll mehr und mehr zur Pflicht werden, die innerhalb kürzester Zeit einsetzen soll. Abschiebungen sollen immer effektiver und schneller vollzogen werden. Dadurch werden Menschen illegalisiert, kriminalisiert und unterdrückt. Viele Menschen haben eine Reise voller Entbehrungen hinter sich, haben wichtige Menschen verloren, vieles hinter sich gelassen oder im Krieg verloren. Wie wirkt es dann, wenn plötzlich darüber diskutiert wird, ob dein Land ein sicheres Herkunftsland ist?“ Allein im vergangenen Jahr wurden fast 24.000 Menschen abgeschoben. Nationale und internationale Politiken treiben die Abschottung der EU voran. Durch Verschärfung von Grenzkontrollen, durch Lager an den europäischen Außengrenzen und außerhalb von Europa und durch das Verbot von Seenotrettung werden die Grenzen immer gefährlicher und tödlicher gemacht. Erst am Sonntag wurde eine Liste mit 30.000 namentlich bekannten Grenztoten ausgerollt. Sie war 100 m lang. (Seebrücke Hamburg) Die Dunkelziffer ist noch viel höher.

Autor: Institut für temporäre Denkmäler

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