Im Podium diskutierten am Dienstagabend Olaf Strupat, Sven Rühr, Cordula Wiegand, Frank Emrich, Christian Flachmann und Steffen Kania (v.l) Bildautor: Martin Hauswald
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Im Kleinen Saal des Meininger Hofes wurde zum zweiten Saalfelder Dialog über die Wohnsituation der Feengrottenstadt diskutiert.

Saalfeld. Dass es in Saalfeld durchaus kontrovers zugeht, wenn es um das Thema Wohnen geht, wurde gestern im Rahmen des zweiten Saalfelder Dialoges unter dem Motto „Saalfeld – Wohnen für Jedermann?“ deutlich, zudem Bürgermeister Steffen Kania (CDU) geladen hatte. Im Vorfeld der öffentlichen Diskussionen sorgte zunächst Frank Emrich, Verbandsdirektor des Verbandes Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, mit seinem Impulsvortrag für den notwendigen Input. Unter anderem verwies er auf die günstigen Mieten im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Diese würden mit durchschnittlich 4,82 Euro pro Quadratmeter noch unter dem Thüringer Durchschnitt von 4,93 Euro liegen. „Wir haben in der Region bereits günstige Mieten. Wir liegen damit bereits am unteren Ende des wirtschaftlich Verkraftbaren“, sagte Emrich und verwies damit auf die steigenden Baukosten etwa bei Neubau oder der Sanierung von bestehendem Wohnraum.

Allerdings verwies er auch darauf, dass es in Thüringen ein Einkommensproblem gebe. So müssten die Mieter im Freistaat prozentual zwar etwas weniger für Mieten ausgeben als etwa Menschen in München. Allerdings seien auch die Einkommen niedriger, bei annähernd gleichen Lebenshaltungskosten.

Von überzogenen Mieten in Saalfeld wollte auch Olaf Strupat als Vorsitzender der Mieterschutzgemeinschaft Ostthüringen nicht sprechen. Allerdings brachte er an, dass es in Saalfeld im Augenblick Vier-Raum-Wohnungen für Familien mangele. Das bestätigte Christian Flachmann, Geschäftsführer der CHW Hausverwaltung GmbH, der auch den qualitativen Aspekt der Wohnungssuche ins Gespräch brachte: „Aus der Praxis wissen wir, dass Wohnungen ohne Balkon oder die schlecht saniert sind kaum Mieter finden.“ In den vergangenen Jahren seien einfach die Ansprüche der Mieter gestiegen.

Sven Rühr vom Landesverband Haus und Grund betonte zudem den Mangel an Baugrundstücken in Saalfeld. „Die Menschen, die keine Grundstücke für den Hausbau bekommen schwappen früher oder später auf den Mietmarkt zurück.“

In der anschließenden Diskussion sorgte das neu gestaltete Klosterquartier für Debatten. So kam aus dem Publikum die Anmerkung, dass der Komplex architektonisch nicht in den historischen Bereich des Quartieres passe. Bei solchen und ähnlichen Projekten sollte in Zukunft der Fokus stärker auf der städtebaulichen Qualität und weniger auf dem Anspruch des bezahlbaren Wohnraumes liegen. In diesem Zusammenhang erklärte Cordula Wiegand als Wobag-Geschäftsführerin, dass man sich bei der Neugestaltung des Klosterquartieres bewusst für modernes Wohnen entschieden habe. „Schönheit liegt nun mal im Auge des Betrachters“, sagte Wiegand. Zudem habe die Wobag die Verantwortung Sorge dafür zu tragen, dass allen Bewohnern Saalfelds bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Als weiteres Thema sprachen Anwohner aus Gorndorf die Situation in ihrem Stadtteil an. So betonten sie, dass sich Gorndorf in den vergangenen Jahren zu einem funktionierenden Stadtteil entwickelt habe, mit Jugendzentrum, Kindergärten und Schule. Diese Entwicklung könne beispielgebend sein für andere Stadtteile, wie etwa Beulwitz. Außerdem betonten sie, dass bei einem Rückbau von Wohnblöcken im Stadtteil Gorndorf Vorsicht gelten solle, vor dem Hintergrund zunehmender Wohnungsnot.

Zum Abschluss der Veranstaltung nahm Saalfelds Bürgermeister Steffen Kania auch noch einmal Bezug auf die Situation in Beulwitz: „Die Situation die wir dort haben ist eine gesellschaftliche Herausforderung. Aber wir sind mit allen Playern im Gespräch.“ Damit solle gewährleistet werden, dass Beulwitz eine ähnlich positive Entwicklung erfahre wie Gorndorf.

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