Neues Rathaus © Stadt Leipzig

Leipzig wird von den Bürgerinnen und Bürgern mehrheitlich als eine Stadt im Aufwind wahrgenommen. Das ergab die Auswertung der Kommunalen Bürgerumfrage 2017, die Bürgermeister Ulrich Hörning, Beigeordneter für Allgemeine Verwaltung, heute vorstellte. 61 Prozent Teilnehmer schätzen ihre persönliche wirtschaftliche Situation als gut bzw. sehr gut ein, 57 Prozent meinen dies auch von der wirtschaftlichen Situation der Stadt insgesamt. Das sind die höchsten Werte seit 1991, als die erste Kommunale Bürgerumfrage startete. Ulrich Hörning: „Die positive Arbeitsmarktentwicklung schlägt sich im Meinungsbild der Leipzigerinnen und Leipziger nieder. Auch ältere Erwerbsfähige sind zunehmend besser im Arbeitsmarkt integriert, was positive Auswirkungen auf die Entwicklung ihrer Einkommen hat.“

Erstmals enthält der Ergebnisbericht der Kommunalen Bürgerumfrage auch eine Übersicht der Lebensstile in Leipzig. Danach pflegen zehn Prozent einen traditionellen Lebensstil – traditionelle Arbeiter (fünf Prozent), so genannte Konventionalisten, die die Traditionen des Kleinbürgertums fortsetzen (vier Prozent), und konservativ gehobene Bildungsbürger (ein Prozent). 59 Prozent pflegen einen teilmodernen Lebensstil, der bei 25 Prozent eher um Familie und Häuslichkeit zentriert ist, bei 27 Prozent um berufliche Karriere und Teilhabe am Mainstream der modernen Freizeitkultur; sieben Prozent können als liberal akzentuierter Bildungsbürger mit alternativem Einschlag bezeichnet werden. Der Lebensstil von 32 Prozent der Bevölkerung wird als modern bezeichnet: Neun Prozent können als Unterhaltungssuchende klassifiziert werden mit dem Schwerpunkt auf Erlebniskonsum und Statussymbolik, 16 Prozent als Hedonisten, die durch jugendkulturellen Stilprotest, Innovationsfreude und Clubkultur charakterisiert werden, und sieben Prozent als Reflexive, die der kulturellen, akademisch geprägten Avantgarde mit Schwerpunkt auf eigenverantwortlicher Persönlichkeitsentfaltung zuzurechnen sind.

Aus dem Inhalt

Lebenszufriedenheit und Zukunftssicht

Mehr als drei Viertel der Leipzigerinnen und Leipziger sind mit ihrem Leben (sehr) zufrieden. Räumlich betrachtet, steigen im Vergleich zu 2015 die Anteile zufriedener Leipzigerinnen und Leipziger in 15 der 63 Leipziger Ortsteile. Rund zwei Drittel aller Befragten schauen (eher) optimistisch in ihre Zukunft. Im Vergleich zu 2015 steigt der Anteil an Optimisten in 23 der 63 Leipziger Ortsteile an.

Wohnen und Umziehen

85 Prozent der Leipzigerinnen und Leipziger wohnen zur Miete. Die durchschnittliche Nettokaltmiete im Bestand beträgt 5,62 Euro je m2 (+23 Cent im Vergleich zum Vorjahr), die Gesamtmiete 7,77 Euro je qm (+18 Cent im Vergleich zum Vorjahr). Die niedrigsten Mieten werden im Stadtbezirk West gezahlt, die höchsten im Stadtbezirk Mitte. Im Jahr 2017 gaben die Leipziger Haushalte wie schon im Vorjahr 30 Prozent ihres Haushaltsbudgets für Miete und Nebenkosten aus. Ein-Personen-Haushalte sind deutlich höher belastet als Mehr-Personen-Haushalte. Jeder dritte der Leipziger Mieterhaushalte war in den zurückliegenden vier Jahren von einer Erhöhung der Grundmiete (d. h. ohne Berücksichtigung der Nebenkosten) betroffen.

Verkehr

Der PKW dominiert in Leipzig nach wie vor als Verkehrsmittel der Wahl. Mit benzingetriebenen Fahrzeugen wurden 2017 im Durchschnitt 12.256 km zurückgelegt, bei Dieselautos waren es 28.082 km. In 72 Prozent der Haushalte ist mindestens ein Fahrrad vorhanden. Etwa jeder sechste Befragte fährt (fast) täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit. Vor allem Bewohnerinnen und Bewohner der zentrumsnahen Ortsteile nutzen häufiger das Fahrrad. Separate Wege abseits von Straßen (z. B. durch Grünanlagen) werden von Radfahrern am liebsten genutzt (60 Prozent). Im Schnitt ist knapp jeder Zweite mit dem Angebot an Radverkehrsanlagen (sehr) zufrieden.

Umwelt

Jüngere Altersgruppen plädieren häufiger für größere kommunale und bundesweite Anstrengungen bei Klimaschutz und Energiewende. Ein Viertel der befragten Haushalte bezieht Ökostrom. Die Ansprüche an gute Luftqualität und Lärmschutz sind sehr hoch. Der Verkehrslärm kann aus Sicht der Bürgerschaft vor allem durch eine Reduzierung des Lkw-Verkehrs verringert werden.

Urbanes Leben

Etwa jeder Fünfte ist ehrenamtlich engagiert, 28 Prozent bekunden ihr Interesse und mehr als die Hälfte der Leipzigerinnen und Leipziger gibt an, nicht ehrenamtlich aktiv zu sein. Der höchste Anteil ehrenamtlich Aktiver lebt in Connewitz, Neustadt-Neuschönefeld und Liebertwolkwitz. Zwei Drittel der Bevölkerung befürworten die Bewerbung Leipzigs als EM-Austragungsort für 2024. Sie versprechen sich davon auch positive Effekte für die Stadt.

Kommunalpolitik, politische Aktivitäten und Verwaltung

Die Leipzigerinnen und Leipziger lieben ihre Grünanlagen, Parks, Naherholungsgebiete und Gewässer und sind in hohem Maße zufrieden damit. Etwa jeder Vierte geht mehrmals im Monat in den Auwald. Als unzulänglich wird hingegen das derzeitige Angeboten an Kita- und Pflegeheimplätzen betrachtet. Größtes Problem aus Bürgersicht aber bleiben Kriminalität bzw. Sicherheit. Wohnkosten stehen vor dem Straßenzustand auf Platz zwei. Die Möglichkeiten politischer Partizipation werden deutlich häufiger von jungen Leuten genutzt. Muslimfeindlichkeit und Überfremdungsängste sind in Leipzig zwar geringer ausgeprägt als in einer sächsischen Vergleichsuntersuchung. Dennoch: 53 Prozent der Leipzigerinnen und Leipziger stimmen (eher) folgender Aussage zu: „Die meisten hier lebenden Muslime akzeptieren nicht unsere Werte.“ Gut ein Viertel der Leipzigerinnen und Leipziger kennt den jeweils zuständigen Stadtbezirksbeirat bzw. Ortschaftsrat, in den Ortsteilen am Stadtrand (Ortschaften) gilt dies sogar für die Mehrheit.

Die Kommunale Bürgerumfrage bietet Politik und Verwaltung aktuelle Informationen zur Lebenssituation der Bürgerschaft sowie zu ihren Meinungen und Vorstellungen zu planungsrelevanten Themen. Im Dezember 2017 waren dafür 22.000 zufällig ausgewählte Personen angeschrieben worden. Geantwortet werden konnte per Post bzw. online. 8.878 ausgefüllte Fragebögen gingen bis Ende Februar 2018 ein. Das entspricht einer Ausschöpfungsquote von 43 Prozent.

Die Ergebnisse der Kommunalen Bürgerumfrage 2017 sind auf leipzig.de/buergerumfrage einsehbar.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!

Ich akzeptiere

Please enter your name here