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Erfurt. Thüringens Landwirte haben in diesem Sommer viele brachliegende Felder für die Futterernte genutzt. In den sieben Landwirtschaftsämtern des Freistaates wurde beantragt, auf insgesamt 3.000 ha Brachen Tiere weiden und mähen zu dürfen. Das ist gut ein Viertel aller ökologischen Vorrangflächen, die Thüringens Bauern in diesem Jahr durch Stilllegung erbracht haben. Wegen der Futterknappheit durch die anhaltende Trockenheit hatte das Thüringer Landwirtschaftsministerium seit 1. Juli diese Flächen, die nach den sogenannten Greening-Regeln der EU normalerweise für Ernte und Bearbeitung tabu sind, für den Schnitt von Winterfutter freigegeben.

Thomas Lettau, Experte für Agrarförderung im Thüringer Landwirtschaftsministerium sagte MDR THÜRINGEN, dieses große Interesse der Betriebe an der Nutzung von für den Naturschutz stillgelegten Flächen habe ihn überrascht. Normalerweise würden auf diesen Flächen nicht viele Futterpflanzen wachsen. Außerdem sei der erste Schnitt im Juli geschehen und damit weit nach dem optimalen Zeitpunkt für die Heuernte. Das geerntete Futter sei deshalb nicht besonders hochwertig und für Milchrinder gar nicht geeignet. Es werde an Mutterkühe verfüttert, die ihre Kälber selbst aufziehen sowie an Schafe und Ziegen. Daran zeige sich aber die große Not der Bauern.

Die mit Abstand meisten Brachflächen haben Bauern in Nordthüringen (Eichsfeld-Kreis, Unstrut-Hainich-Kreis, Kreis Nordhausen und Kyffhäuserkreis) abgeerntet. Auch im Kreis Sömmerda und im Weimarer Land nutzten viele Bauern diese Möglichkeit. In Ost- und Südthüringen war das Interesse weniger groß. Insgesamt stellten die Landwirte bei den Landwirtschaftsämtern Anträge für die Mahd und Beweidung von 1.236 Brachflächen.

Experten aus den Landwirtschaftsministerien von Bund und Ländern haben inzwischen vorgeschlagen, weitere ökologische Vorrangflächen für die Futterernte freizugeben. Den Bauern soll angeboten werden, auch jene Flächen abzuernten, auf denen nach eingebrachter Ernte sogenannte Zwischenfrüchte angesät werden. Das sind häufig Gräser und Kleesorten. Nach den EU-Greening-Regeln müssen diese Zwischenfrüchte eigentlich bis zum 15. Februar auf den Pflicht-Öko-Flächen stehen bleiben. Vor der Frühjahrsaussaat werden die Pflanzen dann in den Boden eingearbeitet. Damit verhindern die Bauern über den Winter Bodenerosionen und sorgen für natürliches Düngen. Wegen des trockenen Sommers ist geplant, den Bauern auf diesen Flächen im Herbst einen Futterschnitt zu erlauben, ohne dass sie deshalb die EU-Agrarförderung verlieren. Am 21. September soll der Bundesrat darüber entscheiden. Gäbe es dafür eine Mehrheit, dürften Thüringens Landwirte auf bis zu 25.000 Hektar zusätzlich Futter ernten. Ob das die dramatische Knappheit lindern kann, hängt von ausreichend Niederschlägen in den kommenden Wochen ab.

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