Greiffenberg Oli Bott, (C) Rolf Schoellkopf

Das Eröffnungskonzert der Uckermärkischen Musikwochen 2018
Samstag, 11. August, 19 Uhr
Franziskanerklosterkirche Angermünde, Klosterstraße 45
Cantate Domino!
Ensemble Polyharmonique, Leitung: Alexander Schneider
{oh!} Orkiestra Historyczna Katowice, Leitung: Martyna Pastuszka

Aufzeichnung durch Deutschlandfunk Kultur

Das Ensemble Polyharmonique kann schon fast als Stammgast der Musikwochen bezeichnet werden. In den letzten Jahren hat es sich im Bereich der Alten Musik zu einem der wichtigen europäischen Vokalensembles entwickelt. Erstmalig gastiert das junge Kattowitzer Barockorchester {oh!} bei den Musikwochen.

Musik aus der Dresdner Hofkirche

Mit dem Konfessionswechsel Augusts des Starken und seiner Wahl zum polnischen König im Jahre 1697 änderten sich die Bedingungen für die Kirchenmusik in der sächsischen Residenz entscheidend. Der evangelische Hofgottesdienst in der Schlosskapelle, der Wirkungsstätte von Johann Walter und Heinrich Schütz, bestand mit nur noch geringem musikalischen Aufwand weiter und wurde 1737 in die Sophienkirche verlegt. Die Einrichtung eines ständigen katholischen Hofgottesdienstes in Dresden erfolgte am 5. April 1708 mit der Einweihung des umgebauten alten Opernhauses am Taschenberg als Hofkirche. Während in Anwesenheit des Königs die Hofkapelle für die Kirchenmusik verantwortlich war, musizierte ein im Herbst 1709 eingerichtetes eigenes kleines Ensemble an den übrigen Sonn- und Feiertagen.

Einen großen Aufschwung brachte im Herbst 1717 die Ankunft einer aus italienischen Sängern bestehenden Operntruppe unter der Leitung von Antonio Lotti, die an Festtagen und zu besonderen Gelegenheiten auch den Kirchendienst übernahm. Nach ihrer Entlassung zu Ostern 1720 fiel dem Kapellmeister Johann David Heinichen sowie Jan Dismas Zelenka die Aufgabe zu, ein Repertoire katholischer Kirchenmusik für die Hofkapelle aus eigenen Werken sowie aus italienischen, böhmischen und Wiener Kompositionen zu schaffen und aufzuführen. Besondere Förderung erfuhren der katholische Hofgottesdienst und die Kirchenmusik durch die Kurprinzessin und spätere Königin Maria Josepha. Große Teile der Dresdner Hofmusik werden heute in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) aufbewahrt, wo sie Wissenschaftlern und Musikern zur Verfügung stehen.
Die Musik von Adam Jarzębski (1590-1649) und Grzegorz G. Gorczycki (ca.1667-1734) spiegelt die feine Musikkultur an den polnischen Höfen von Warschau und Krakau wider. Jarzębskis “Canzoni e Concerti” sind eine der frühesten erhaltenen Sammlungen frühbarocker Musik in Polen und repräsentieren den ausgereiften italienischen Stil jener Zeit, der auch in Mitteleuropa gepflegt wurde.

Die Konzerte am Sonntag

Sonntag, 12. August, 15 Uhr
Windmühle Greiffenberg
Chronicles of Sound – Ein Abenteuer durch die Musikgeschichte
Oli Bott, Vibraphon
Musik von George Bizet, Duke Ellington, Henry Purcell, Miles Davis, Antonio Vivaldi, George Gershwin, Mauricio Ravel, Cole Porter, Johann Sebastian Bach, Rogers & Hart

Oli Bott studierte Vibraphon und Komposition am Berklee College of Music in Boston bei Lehrern wie Gary Burton und Bob Brookmeyer und schloß mit ‘summa cum laude’ ab. Seitdem lebt er als freischaffender Musiker in Berlin. Er erhielt mehrere Stipendien des Berliner Senats, Kompositionsaufträge für sein eigenes Jazzorchester, es gibt Rundfunk- und Fernsehmitschnitte zahlreicher Konzerte im In- und Ausland.
Oli Bott ist Preisträger bei internationalen Wettbewerben wie dem NDR-Musikpreis für Jazzdirigenten, dem 1. Preis Leipziger Improvisationswettbewerb, dem Europ Jazz Contest und des Wayne Shorter Awards, USA.

Oli Bott spielte auf Festivals wie Schleswig Holstein Musik Festival, Schwetzinger SWR Festspiele, Händel Festspiele Halle, Brandenburgische Sommerkonzerte, WDR Jazz Festival Köln, Musikfest Goslar, Musikfest Stuttgart, Palatia Jazzfestival, Komische Oper Berlin, Deutsche Oper Berlin, Jazz Across the Border Festival Berlin, Jazzfest Delmenhorst, Brandenburger Musiksommer, Deutsche Botschaft Lissabon, Europäisches Festival Izmir, Kalkutta Jazz Festival, Jazztage Ilmenau, Internationales Jazzfest Hamm, Jazznacht Meppen, Jazzherbst Burghausen, Jazzsommer Augsburg, Jazzfestival Würzburg, Music’n’Migration.
Seine wichtigsten Projekte sind die Band ZMEI3 (unter Vertrag bei six degrees records, San
Francisco), sein Soloprogramm und die Arbeit mit der Cellistin Anna Carewe und dem Sheridan Ensemble.

Pressestimmen:
“Oli Bott ist am Vibraphon einsame Spitze.” Jazzpodium
“Brillant!” Kulturradio
“Der aufgehende Stern am Berliner Jazz-Himmel.” Berliner Morgenpost
“Ein Besessener mit vier Schlegeln, der so schnell auf die Platten eintrommelt, dass man ihn kaum
noch sieht, was sein Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißt.” Der Tagesspiegel
“His writing is on a level of the best students that Berklee has produced over the years, and I
foresee that he will have a successful career as both writer and player.” Gary Burton

Sonntag, 12. August, 17 Uhr
Stadtkirche Greiffenberg
Canti popolari
Ivana Bilej Brokouvá, Sopran
Carlo Domeniconi, Gitarre, Jana Steidl Kindernayova, Gitarre
Tschechische, italienische und spanische Folklorelieder, Melodien und deren Inspiration in Werken von T. Merula, F. Sor, A. Dvořák und C. Domeniconi

Der italienische Gitarrist und Komponist Carlo Domeniconi lebte viele Jahre in Greiffenberg. Domeniconi lernte bis 1964 Gitarre bei Carmen Lenzi-Mozzani (Tochter von Luigi Mozzani) am Konservatorium in Pesaro. Danach studierte er in Berlin. Außerdem studierte er Komposition bei Heinz Friedrich Hartig an der Hochschule der Künste Berlin. Von 1969 bis 1992 war er Professor für Gitarre ebenda. Zusätzlich unterrichtete er von 1977 bis 1980 am Staatlichen Konservatorium Istanbul.

Auch die tschechische Sängerin Ivana Bilej Brokouvá studierte an der Universität der Künste in Berlin. In den letzten Jahren war die Spezialistin für alte Musik mehrfach Gast der Musikwochen, als Mitglied des Tiburtina Ensembles, zusammen mit Jana Steidl Kindernayová, Kateřina Ghannudi und Monika Knoblochová.

Jana Steidl Kindernayová widmet sich seit ihrem Studium an der Hochschule Carl Maria von Weber (Dresden) der Interpretation der Klassischen und Romantischen Gitarre. Im Bereich der Klassischen Gitarre hat sie Studienabschlüsse am Konservatorium in Pardubice (CZ) und an der Musikhochschule in Rostock (D). Während des Studiums wurde sie mehrmals bei Wettbewerben ausgezeichnet, auch nahm sie an vielen Gitarren-Festivals teil. Jana ist als Komponistin für Theater, TV und Rundfunk tätig.

Sonntag, 12. August, 19 Uhr
Altes Gutshaus Greiffenberg
Begegnungen
Susanne Fröhlich, Flöten
Meinrad Kneer, Kontrabass

Eine eindrucksvolle Reise zweier Instrumente, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Über mittelalterliche Balladen, Renaissance-Diminutionen, barocke Variationen und verschiedenen Genres aus der Moderne, nehmen die Blockflötistin Susanne Fröhlich und der Kontrabassist Meinrad Kneer gegenseitig ihre Fährten auf, begegnen sich und treten in einen Dialog. In einem Mix aus Improvisation und streng notierten Werken loten die beiden Ausnahmemusiker ihre Ausdrucksmöglichkeiten bis ins letzte Detail aus und entführen so in abwechslungsreiche Klangsphären. Die wahrhaft verrückte Kombination von Instrumenten und Musiken verspricht einen außergewöhnlichen Hörgenuss. Werke von Steve Reich, Giovanni Bassano, Meinrad Kneer, Peter Hannan, Stefano Scodanibbio, Timo Tuhkanen, Robert Carr u.a.

Susanne Fröhlich studierte Blockflöte am Conservatorium van Amsterdam und erhielt 2004 nach dem Konzertdiplom ihr Masterdiplom mit Auszeichnung. Es folgte ein Studium Konzertexamen an der Universität der Künste Berlin, das sie im Juni 2008 ebenfalls mit Auszeichnung abschloss. Seit Oktober 2015 ist sie künstlerisch-wissenschaftliche Doktorandin an der Kunstuniversität Graz.
Susanne gibt regelmäßig Konzerte und Workshops inner- und außerhalb Europas. Als Gründungsmitglied des Blockflötenquartetts QNG – Quartet New Generation, das auch bei den Musikwochen erfolgreich gastierte, tritt sie sowohl als Solistin (so in Kröchlendorff) als auch in verschiedenen Formationen, sowie in mehreren Musiktheaterproduktionen auf. Sie wirkte bei zahlreichen Uraufführungen in weltweit renommierten Konzerthäusern und Festivals mit, u.a. mit Ensemble Adapter, Collegium Novum Zürich, Figura Ensemble, Ensemble ICTUS und Neue Vokalsolisten.
Susanne ist Preisträgerin zahlreicher internationaler Wettbewerbe und Stipendien in Berlin, Darmstadt, Göttingen, Graz, Krakow, New York und Rotterdam. Seit Sommer 2004 lebt und unterrichtet sie in Berlin und hat seit April 2010 einen Lehrauftrag an der Universität der Künste inne.

Meinrad Kneer studierte Jazz- und Popularmusik im Fach Kontrabass an den Konservatorien Hilversum und Amsterdam in den Niederlanden. Nach dem Studium fand er schnell Anschluss an die internationale Jazz- und Improvisationsszene Amsterdams und bewegt sich seither musikalisch auf den Grenzen von Jazz, improvisierter Musik, zeitgenössisch-komponierter Musik und ethnischer Musik. Seit 2012 lebt er in Berlin. Er konzertierte in ganz Europa, sowie dem mittleren Osten, der Türkei, in Marokko und Mexiko. 2002 wurde ihm einer der höchstdotierten niederländischen Musikpreise, der ‘Jur Naessens Musikpreis’ verliehen. Seine stilistische Vielseitigkeit ließ ihn mit MusikerInnen verschiedenster Stilrichtungen zusammenarbeiten, u.a. mit Najma Akhtar, Robert Ashley, Richard Barrett, Han Bennink, Marko Ciciliani, Bill Elgart, Ceylan Ertem, Fred Frith, Touria Hadraoui, Tristan Honsinger, Paul Lovens, Roscoe Mitchell und Jon Rose.

Als künstlerischer Leiter und Komponist leitet er derzeit unterschiedliche Ensembles, namentlich sein Phosphoros Ensemble, das Meinrad Kneer Quintett und das Trio Baars/ Kneer/ Elgart. Außerdem arbeitet er mit dem Kontrabassquartett Sequoia, dem Trio Rose/ Kneer/ Barrett, dem Andreas Willers Septett und dem Julie Sassoon Quartett.
Seine kompositorische Tätigkeit wurde vom niederländischen Staat von 2001 und 2011 durchgehend in Form von Kompositionsaufträgen gefördert. 2013 erhielt er vom Berliner Senat ein Kompositionsstipendium. Sein 2006 gegründetes und inzwischen international renommiertes Label ‘Evil Rabbit Records’ widmet sich der europäischen, zeitgenössischen, improvisierten Musik.

Autor: Christoph Wichtmann

, www.uckermaerkische-musikwochen.de